home2Peter Broderick: Home               (Bella Union, Cooperative/ Universal, 31.10.2008)

Peter Broderick streichelt die Saiten der Gitarre und fängt zart an zu spielen. Sein zweites Soloalbum „Home“ stellt den essentiellsten Bestandteil seines Lebens in Songform dar: die Musik selbst. Noten werden zu Tönen, Töne wachsen zu einem Lied heran, getragen von den sanften Klängen der Instrumente.

War sein erstes Album „Float“ stets vom Klavier begleitet, so spielt hier die Akustikgitarre als instrumentaler Rückhalt und oft auch als trauriger, aber wohlklingender Einstieg vieler Stücke eine bedeutende Rolle.

Der amerikanische Singer/Songwriter Peter Broderick tourte in den USA bereits mit vielen verschiedenen Bands und Künstlern wie Laura Gibson, Norfolk & Western oder seinem Projekt Horse Feathers, konnte sich dort dennoch nicht mit seiner eigenen minimalistischen Klaviermusik entfalten. Nach einer Einladung der Band Efterklang, die er live unterstützen sollte, zog es ihn nach Dänemark und damit gelangte er in eines der inspirierendsten Länder, die Europa im Hinblick auf experimentelle Musik zu bieten hat.

Mit Gitarre, Loop-Effekt und Laptop kreiert dieser Alleskönner bezaubernd traurige Töne, in sich gekehrt, intim, eigen, niemals laut, auch nicht vielseitig, aber immer bedacht auf bedrückt ästhetische Klänge. Mehrfach überlagert ergibt seine Stimme eine Art sakralen Chor, der warm und leuchtend nachhallt.
„Games“ lebt von eben dieser Besonderheit und leitet die Chose ein, um somit Wegbereiter für 10 wundervolle Stücke zu sein, die zwischen Indie, Folk und etwas Post-Rock ruhen. Bestechend unter ihnen ist „Sickness, Bury“. Ein Song, der so schön entmutigen könnte mit seinem tieftraurigen, deprimierenden Anfang, gestützt von Gitarre und Brodericks charakteristischer Gesangsart. Doch er wird größer und dichter, als würde plötzlich die Sonne aufgehen, Hoffnungsklänge beschleichen den dunklen Sound, die Traurigkeit wird begraben, so wie der Titel es verspricht. Ein Lied für die Zuversicht und für das Leben.
Mit „Not At Home“ und dessen träumerischen Akustik- und Orgelparts bietet Broderick nun auch noch die höchste Form einer Liebeserklärung an die Musik, die ein Künstler geben kann. Persönlicher geht es wirklich nicht, macht er hier doch deutlich, sich ohne Instrumente und damit Quelle für Töne und Schallkunst nirgends wirklich zu Hause zu fühlen.
„Games Again“ als letzter Titel möchte den Opener „Games“ wieder aufnehmen. Warum hat man das Gefühl, dass er ebenso gut „Home again“ heißen könnte?
Wo fast sakraler Gesang und folkartige Klänge in der Vorstellung eher unvereinbar scheinen, vermag Peter Broderick es, genau diese Brücke zwischen beiden musikalischen Erben zu schlagen. Damit ist dem Hause Bella Union mal wieder ein unendlich kostbares Juwel entsprungen.

Julia Fischer

www.myspace.com/peterbroderick

www.lastfm.de/music/Peter+Broderick

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