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(Bonaparte)

bonaparte

coverStun: And At Least You Dance  (Sister Jack/Cargo Records, 09.01.2009)

Stun machen es einem zumindest anfangs ganz schön einfach. Nicht nur, dass die vier Bremer ihren Fans, Freunden, Lokalpatrioten und anderweitig Interessierten alle wichtigen Informationen mittels bandeigener Homepage vor die Füße werfen, Banner, Bio, Cover und Texte zur Verfügung stellen – nein, dann wird auch noch einer der sicherlich hoffnungstragensten Albentitel der letzten Zeit gewählt. Und eine Erklärung für diesen gleich mitgeliefert. Sehr zuvorkommend eben. Irgendwie gentlemenlike. Und nett.

Der Schein trügt allerdings so halb und halb.

„And At Least You Dance“ ist nämlich nicht das, wonach der Titel klingt. Kein Pop, kein Dance, kein Walzer und sonstiges Tanzmaterial. Ist aber auch nicht schlimm, denn was es ist, gefällt sowieso viel mehr: die Jungs liefern nämlich echten und rückblickend doch etwas abstinent gewesenen ehrlichen Gitarrenrock, fahren damit ein wenig die Indie-, ein wenig die Alternative Rock- und immer noch ein wenig die Emo-Schiene, scheuen vor gecoverten Songparts à la U2 nicht zurück (auf der Homepage steht, warum!) und verpassen ihren zehn Stücken mitunter eine extreme Individualität, nicht zuletzt durch den offensichtlichen Virtuosen hinter der Gitarre, Roman Pelz. Dieser verleiht dem Debüt mit quietschend verzerrter Spielerei genau den passenden Touch, um alle möglichen Haare zu Berge stehen zu lassen. Aber wie gesagt, alles ist anders.

Klagende und schmerzerfüllte bis zuversichtliche Vocals bescheren den Eindruck ständigen Wehmuts, aber gleichzeitiger großer Erwartungen. Man schwankt zwischen dem Gefühl des allein gelassen Werdens und im nächsten Moment kann es kollektiver nicht sein. Man blickt von der Nacht in die Sonne. Bestätigen kann dies der Opener „Special“. Rotzig, aber nett. Laut, aber gefällig. Knarzig und zugleich melodisch.  Dreckig, dennoch anständig. Nichts ist, wie es scheint.

Der Drang, Sänger Marco Goerlich wegen dessen äußerst bekümmerter Gesangsweise tröstende Worte wie „Alles wird gut!“ zu spenden und dabei über den Kopf zu streicheln, wird durch das sich ankündigende Quentchen Optimismus,  das mitten in den Songs plötzlich auftaucht, ganz schnell wieder gebremst, so auch beim U2-Zitat in „P-T-R“. Passt.

Doch schon wieder raut es sich auf. Überall Knarzen und Quietschen, bei „We Are Cute“ genauso wie bei dem knapp 11 Minuten langen Titel „One“. Verzweifelte bis wehklagende Worte fallen und  ein Dickicht an Post-Rock-Anleihen drückt zentnerschwer aufs Gemüt. Am Boden zerstört verlässt man dieses Lied. Freude adé. Hallo Trübsal. Doch wozu Kontinuität wahren?
Gleich die nächsten Titel merzen die elendige Tristesse des Übersongs „One“ erbarmungslos aus. Und plötzlich hüpft das Herz wieder vor Freude. Ein aufreibendes Hin und Her.

Mit ihrer Art Rock sind Stun eine hervorragend geeignete Festival-Band, die 2009 in diversen Line-Ups nicht fehlen sollte. Sie haben eben beides: den Mut, mit Krach und verzogenen Tönen Akzente zu setzen und den Geist, gefühlsgeladen und intensiv die Masse zu beeindrucken.

„And At Least You Dance“ darf als ein modernes Märchen betrachtet werden. Der Weg zum Glück ist zwar holprig und steinig; man trifft auf Schranken, Sperren und Hindernisse, doch auch die werden irgendwie überwunden, sei es aus eigener Kraft oder mit fremder Hilfe. Eines ist sicher: Am Ende wird getanzt.

Julia Fischer für Valve-Magazine.net

www.myspace.com/stunmusik

www.stun-musik.de/

britney_coverBritney Spears: Circus  (Sony BMG, 28.11.2008)

„Circus“: das ist Britney! Showgirl und Entertainerin schlechthin, immer nahe am Abgrund, um sich anschließend doch wieder zu fangen, negativer Publicity zu trotzen und einfach ihren Weg zu gehen. Es kann zwar nicht ganz „ihr Weg“ sein, da sie als derzeitige Pop-Marionette die Nase sehr weit vorn hat, aber das Showgeschäft mit Blauäugigkeit zu betrachten hat sich Miss Spears sowieso schon sehr früh abgewöhnt.
Als kleines Mädchen von acht Jahren begann ihre sagenhafte und häufig mit zu makaberen Momenten versehene Karriere. Viel zu oft war sie als Erwachsene in den Negativschlagzeilen – ein gefundenes Fressen für drangsalierende Reporter, Amateurfotografen und Paparazzi  ist sie eh und je. Nahezu alle Menschen bekamen jede Minute ihres Lebens mit, das mal mehr, mal weniger interessant schien. Und jedes Mal wird ihr schillerndes bis glanzloses Leben in Texten und Musik verarbeitet und als Platte auf den Markt gebracht. So auch bei „Circus“. Ein fast banaler Begriff, der Britneys Dasein dennoch treffend betitelt. Als Mittelpunkt in der Manege werden offenbar nach eigenen Wünschen wieder alle Spots auf sie gerichtet. Und hinter den Kulissen lauert dann der wahre Zirkus, in dem sämtliche Krisen und Chaos die Oberhand gewinnen. Die Abrechnung mit diesen Tiefpunkten folgt stets in musikalischer Gestalt auf der Bühne oder als Album und mit jedem Gegenschlag scheint eine riesengroße Last von Spears zu fallen.

Mit „Circus“, ihrem sechsten Studioalbum, setzt Britney größtenteils auf Nachtclub-Pop. Wie gewohnt verknüpft sie mit ihren Produzenten grundverschiedene Musikstile zu einem erträglichen Gesamtwerk, wenn es auch nicht wirklich überraschend oder gar weltbewegend ist. Aber abgesehen von den vorlauten Anspielungen auf Presse, Ex-Freunde, Männer und anderen Problemthemen in ihrem Leben, tut dieses Album keinem etwas. Es ist nicht einmal notwendig, zwischen den Zeilen zu lesen. Britney kontert allen bisherigen Schwierigkeiten direkt und offen und das sogar in einer äußerst experimentellen Art.
„Womanizer“ und der Titelsong „Circus“ gehen als pampige Ohrwürmer mit viel elektronischem Pop durch. Die Balladen – „Out From Under“ und „Unusual You“ sind gut gelungen, selbst wenn Britneys dünnes Stimmchen nicht viel hergibt, aber dank versierter Produzenten und technischer Hilfsmittel ist klassischerweise noch einiges verbessert worden.
Ab „Kill The Lights“ beginnt nun die eigentliche Abrechnungsphase mit der bösen Welt. Vom Wesen her bleiben Nummern wie „Shattered Glass“, das wohl an ihre Verflossenen gerichtet ist,  oder „If U Seek Amy“ sehr beatlastige und eingängige Dancepop-Stücke.
Auf Dauer schwinden der Auftürmung an Songs in „Circus“ allerdings Spannung, Abwechslung und Ideenreichtum und im Querschnitt verblassen die Neugier und Konzentration ebenso einfach. „My Baby“, „Mannequin“ und „Lace and Leather“ rufen direkt zum unverschämten Gähnen auf.
Köstlich und amüsant wird es allerdings bei „Mmm Papi“, einem „Must-Hear“ unter den obligatorischen unkeuschen Pop-Prinzessinen-Nummern und einziger Ausbrecher in dem sonst sehr homogenen und harmlosen Material.
Es ist eben alles schon einmal da gewesen. „Circus“ reiht sich dennoch gut in die Playlist vom Vorgängeralbum „Blackout“ ein und könnte ebenso erwartungsgemäß als Vorlage für das nächste Album dienen.

Britney Spears muss jedenfalls dank ihres zirkushaften Lebens, der Schlagzeilen und ihrer Kämpfernatur keine Angst haben, jemals in Vergessenheit zu geraten. Denn neben Madonna und Elvis als Legenden im Showbiz bleibt sie wohl in den Köpfen der meisten Leute hiesiger Generationen erhalten – trotz dieser Reihe an durchwachsenen Alben.

Julia Fischer für Valve-Magazine.net

www.britneyspears.de

www.myspace.com/britneyspears

www.sonybmg.de/artists2.php?artist=176644

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  • "Daher muss allen, denen Wissenschaft wirklich am Herzen liegt, zugerufen werden: Zurück zur Philosophie!" 10 hours ago

 

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