Für alle Interessierten (und das scheinen nicht wenige zu sein), hier der erste Teil des Stockholm-Berichtes. Fotos gibt es erst, wenn sie entwickelt sind.
Der erste Eindruck von Stockholm kam, als das Flugzeug (Marke RyanAir, Billigflieger) gerade beim Landevorgang war und man eigentlich nichts außer weißen Nebel sehen konnte: in Schweden ist’s grad kalt und neblig. Ersteres war ja vorherzusehen. Zweiteres kann man sich dazudenken, wenn man will. Der Nebel erzeugte zuerst den Eindruck eines magischen Wunderlandes, gilt doch Schweden in meinem Kopf als Land der blonden, zimtigen, märchenhaften und spielzeugähnlichen Menschen. Als wir ausstiegen, lag nicht mal Schnee, Magie adé.

Der zweite Eindruck von Stockholm kam, als wir aus dem Flugzeug stiegen und in den Flughafen gingen, um dann eigentlich wieder rauszugehen (aber den Flughafenweg in Schönefeld vom Flughafen bis in die Halle toppt wohl nichts so schnell): wir sind gar nicht in Stockholm! Dummerweise befindet sich der Skavsta Airport 100 km weit entfernt von Schwedens Hauptstadt, also ging es in den nächsten Augenblicken eher ums Geld tauschen und Bus kriegen. Mit beiden Angelegenheiten hatten wir Glück. Der Kurs war gut und der Bus fuhr zwei Minuten nachdem wir eingestiegen sind los. Erst nach einer Stunde, 20 Minuten kamen wir an der Central Stationen in Stockholm an, dem Bahnhof und offensichtlichen Treffpunkt aller denkbaren Individuen (Menschen, Tiere, Emotionen).
Stockholm ist wie Berlin, bloß mit Schweden drin. Touristen gibt es ja eh überall, die zählen nicht. Stockholm hat extrem hübsche Männer (auch wenn es auch Touristen gewesen sein könnten) und Frauen mit extrem dünnen Beinen. Frauen mit dicken Beinen waren nicht oder selten aus Schweden, haben wir festgelegt.
Der erste Kaffee in Stockholm war teuer. Aber er schmeckte. Wir befanden uns in der Vasagatan, eine der Hauptstraßen der Stadt.
Unser Hostel (Archipelago Hostel) war in Gamla Stan, dem Altstadt-Stadtteil von Stockholm. Ich muss zugeben, auch damit hat es uns gut getroffen. Die paar Bildchen vom Hostel im Internet bringen nicht viel. Die Reviews ehemaliger Bewohner schreckten eher ab. Hostel und Inhaber waren aber nett, die Duschen waren nicht ganz so schlimm, wie viele gesagt haben, obwohl der Duschvorhang immer kuscheln kam. Es roch etwas merkwürdig, aber man konnte nicht sagen, dass nie geputzt wird. Die Dame des Hauses haben wir des Öfteren das Bad putzen sehen und der Herr des Hauses (der übrigens Schwedisch, Englisch, Französisch und Deutsch kann) hat überall gestaubsaugt.

Wir hatten ein 4-Bett-Zimmer, das heißt, es gab immer zwei andere Überraschungsgäste. Interessanterweise waren es am ersten Tag zwei gut aussehende Spanier, die Nachts noch auf Kneipentour gegangen sind (allerdings nach einer Stunde wieder kamen und schlafen gingen, die Luschen) und in guter Erzähllaune waren. Am zweiten Tag sind sie dann weiter nach Finnland. Und uns beehrte ein Fotograf aus dem Allgäu, der in Schweden Schwedisch lernen und Langlaufski fahren wollte und ein etwas gruselig aussehender, riesiger Lette, der morgens um 9 Uhr immer telefonieren musste. Es war wirklich ein Koloss und wir fragten uns, warum er den oberen Teil des Doppelstockbettes nehmen musste. Wäre das Bett zusammengekracht, hätte der halb so schwere Fotograf (der am liebsten Produkte fotografiert…) nicht überlebt.
Die Betten waren an dem ganzen Zimmer das Schlimmste (abgesehen davon, dass unser Zimmer genau am Bad lag, man hat also jeden Gast Zähne putzen und Haare fönen hören. Aber gut, dass wir im Ausland waren, die Gespräche entgingen uns zum Glück.), das Gequietsche und Geknarze war schlafraubend. Umdrehen oder Bewegen war verboten, zumindest wenn es nach mir ginge.
Gamla Stan, die Altstadt, macht ihrem Namen alle Ehre. Überall Pflastersteine, alte schrumplige, aber bunte Häuser, eine Kirche, niedrige Türen und viele kleine Läden, durch die Gamla Stan als größte Shopping-Meile in Stockholm gilt. Es gibt so viele Geschäfte mit bunten, bemerkenswerten und interessanten Auslagen in den Fenstern, dass man als Touri überhaupt nicht daran vorbeikommt. Eine böse Falle.

Bei den Preisen in Schweden schlägt man die Hände über den Kopf zusammen. Nicht nur, dass man nicht vergessen darf, alles durch 10 zu teilen, wenn man den ungefähren Euro-Wert wissen will (für drei Nächte im Hostel haben wir 1550 SEK bezahlt), selbst die kleinsten Elche kosten 5 Euro, ein Kaffee darf gerne 30 Schwedische Kronen kosten und für eine mehr oder weniger hübsche Elch-Postkarte blecht man 2 Euro. Naja, man hat ja gespart und gönnt sich das mal.
Hatte ich schon die hübschen Männer erwähnt? Leider ist die Frauenrate gefühlte 50 Mal höher. Dafür gucken die alle ziemlich böse. Ältere Damen wirken eher streng. In Schweden (Schwedland, wie wir es so schön umformuliert haben) lernte ich aber, geradeaus zu gehen. Bloß nicht ausweichen, wenn jemand oder etwas kommt. Wer ausweicht, hat schon verloren und wird als Tourist entlarvt. Die Schweden machen keinen Platz oder warten, bis mehr Platz ist, um selbst durchzukommen, sie gehen einfach schnurstracks auf ihr Ziel zu. Läuft man durch einen engen Gang in einem der teuren Supermärkte und kommt einem ein Schwede entgegen, hat man folgende Möglichkeiten: a) man drückt sich schnell gegen das nächste Regal, hofft dabei, dass es sich nicht um Waren wie Scheren, Messer oder Wurst handelt und wartet, bis der Schwede vorbei gegangen ist, b) man geht direkt auf den Schweden zu, plustert sich auf wie ein Vogel im Winter und rammt mit dem Schweden zusammen, stolpert womöglich noch über irgendein nett aufgestapeltes Produkt (Klopapier, Katzenfutter oder Wasa-Knäckebrot), kommt aber auf jeden Fall genauso schnell an seinen Bestimmungsort wie der Schwede oder c) man sieht den Schweden mit seinem forschen Blick gen Produkt, merkt, dass der Schwede nichts merkt und macht einfach kehrt, rennt sozusagen vor dem Schweden und dem potentiellen blauen Fleck davon. Das ist zwar ein Umweg für einen selbst, womöglich findet man die Kasse auch nicht mehr so schnell wieder oder läuft in die Arme anderer Ureinwohner, dennoch ist man zumindest einem Schweden entkommen.
Bewundernswert an den Nordländern sind ihre Übersetzungskünste. Englische Filme werden ja nur mit schwedischen Untertiteln versehen, so dass unsere blonden Engel von klein auf gut Englisch konnten, sofern sie immer schön viel Fernsehen geguckt haben. Wird man also auf Schwedisch angesprochen, setzt man einen fragenden Blick auf, sagt „Pardon??!“ oder „Sorry??!“ und keine Sekunde später hat der Schwede seine Frage („Woher kommst du?“, „Kann ich diesen Stuhl nehmen?“ oder „Und diesen hier auch?“) in perfektem Englisch gestellt. Wir Deutschen wären da nicht so schnell.
Stockholm bei Nacht ist auch so eine Sache. Da überall alte historische Gebäude stehen, die mit einem leuchtenden Schimmer versehen sind und wahrscheinlich Königin Silvia irgendwo herumschwirrte, war die anfangs dazu gedachte Magie der Stadt wieder präsent. Insgesamt ist Stockholm ruhiger bei Nacht, aber nicht friedlicher als Berlin. In der Straße unseres Hostels waren Clubs mit genauso lauten Menschen wie in Deutschland davor, die warteten, hineinzukommen.

Fortsetzung folgt! (vielleicht)

2 comments
Comments feed for this article
Februar 10, 2009 um 6:08
Christoph
[alles wieder gelöscht, darf ja nichts über die 50% mehr Frauen mit geil dünnen Beinen schreiben]
Kein Spaß wird einem gegönnt!
Februar 18, 2009 um 7:34
fido
Selten so gelacht. Kölner Karneval ist nichts dagegen. Übrigens dürfen auch nur Frauen über Frauen lästern – Männer haben Frauen ernst zu nehmen. Danke für den aufschlussreichen Report!