You are currently browsing the monthly archive for Oktober 2009.

album_coverEditors: In This Light And On This Evening

(PIAS, 09.10.2009)

Bei den letzten beiden Editors-Alben „An End Has A Start“ von 2007 und „The Back Room“ von 2005 fragte man sich immer, wer hier eigentlich wen kopiere. Interpol die Editors oder die Editors Interpol? Fakt ist, dass Interpols letzte Platte „Our Love To Admire“ vor zwei Jahren veröffentlicht wurde und – seien wir mal ehrlich – außer „The Heinrich Maneuver“, das dieses Jahr auch als Single herauskam, nicht viel Überwältigendes zu bieten hatte.

Auch die Editors verblüfften bisher nicht unbedingt mit ausgefallenen Songs, zumal der Eindruck eines Interpol-Klons durchaus gerechtfertigt war und sich die Jungs aus Birmingham nicht wirklich Mühe gaben, diese musikalischen Parallelen zu umgehen. Umso mehr Zweifel machten sich nach der Kunde über ein neues Album breit und umso entwaffnender war das Ergebnis zunächst, das uns „In This Light And On This Evening“ bescherte.

Denn der gleichnamige Opener ist mit großem Abstand der passendste, epischste und vor Spannung fesselndste, den die Editors je hervorgebracht haben. Beinahe einer magischen Beschwörungsformel gleich, raunt Tom Smith mit grundtiefer Stimme eine Hommage an London ins Studiomikro und bereitet mit einer Seelenruhe auf die Monumentalität, die in diesem Song noch kommen soll, vor.

Die darauffolgenden Stücke, wie „Bricks & Mortar“ oder „Papillon“, welches übrigens als Vorab-Single auf den Markt kam, setzen die Großartigkeit von „In This Light And On This Evening“ dummerweise nur einigermaßen zufriedenstellend fort. Eher noch scheint die Editors ein wenig der Mut verlassen zu haben, denn auch die anschließenden Titel zeugen nicht von großen kreativen Schaffensphasen, weder textlich noch musikalisch. Viel mehr dient das Indie-Album fortan nur noch mit poppigen Synthesizer-Stücken und ewig wiederkehrenden Textpassagen.

Vielleicht ist die Band ja auch einfach nur von sich selbst eingeschüchtert und denkt, sie bringe eh nichts Besseres als den Opener hervor. Recht hätten die Editors damit schon. Doch plötzlich ist da „The Big Exit“, das wieder diese gewisse Zwielichtigkeit vom Anfang ausstrahlt. Auf der einen Seite geheimnisvoll und düster, annähernd explosiv und mit einer gewissen Abgeklärtheit versehen, auf der anderen Seite durch den stimmlichen Wechsel zwischen hohen und tiefen Tonlagen fast ausgelassen.

„The Boxer“ darf dann wiederum in die Kategorie „Reizlose Balladen“ geschoben werden, lediglich der Text à la „ I wanna dance with the city/ Show me something ugly/ Show me something pretty“ ist noch so metaphorisch, dass man ihm Bedeutung zuschreiben kann. „Walk The Fleet Road“ dagegen geht mit ruhigen letzten Synthesizern als Vorstellung von einem gelungenen Albumausklang gern konform.

Alles in allem ist das Resultat der neuen Editors-Platte jedoch relativ ernüchternd. Aber es ist auch nicht unbedingt einfach, sich an der eigenen Messlatte zu orientieren und dann auch noch dauerhaft über sich hinauszuwachsen. Doch in knapp 4 Minuten haben die Editors dies ja trotzdem geschafft.

Julia Fischer für Valve-Magazine.net

Bewertung: 3/5
Highlights: In This Light And On This Evening, The Big Exit, Eat Raw Meat = Blood Drool
Lowlights: Papillon, The Boxer

Tracklist:
01) In This Light And On This Evening
02) Bricks & Mortar
03) Papillon
04) You Don’t Know Love
05) The Big Exit
06) The Boxer
07) Like Treasure
08) Eat Raw Meat = Blood Drool
09) Walk The Fleet Road

Web:

www.editorsofficial.com

www.myspace.com/editorsmusic

elephantElephant: Icebreaker

(Junkyard Entertainment, 30.09.2009)

Die Beinahe-Großstadt Örebro im südzentralen Schweden, die einem so gut wie nichts sagt und von der man keinerlei Vorstellungen hat, bietet offensichtlich doch so einiges mehr als nur kleine rot gestrichene Holzhäuschen und süßklebrige Kanelbullar. Mal abgesehen davon, dass Örebro den einen oder anderen Philosophen und Schriftsteller vorweisen kann, sind uns doch die schwedischen Talente eher aus Göteburg, Malmö, oder Stockholm bekannt. Aber Örebro? Die vier Mitglieder von Elephant versuchen uns eines Besseren zu belehren.

Bereits im Oktober 2008 waren die 13 Songs des Albums „Icebreaker“ komplett und fertig. Nun, ein Jahr später, veröffentlichen Elephant ihr Debüt auch hierzulande. Ob das genügt, um das Eis als Revolutionäre zum Schmelzen zu bringen und Elephant ein chronischer Erfolg zuteil wird, steht noch aus. Aber es geht ja im Leben nicht immer um den großen Durchbruch oder um Geld. Einigen Musikern ist es einfach wichtig, ihre, wie sie von sich selbst sagen, andere oder spezielle Musik unter die Leute zu bringen. So abgedroschen das auch klingt, aber manchmal ist es schon ein persönlicher Erfolg, irgendeinen Hörer mit irgendeinem der Songs irgendwie zu erfreuen. Sagen jedenfalls viele von diesen Bandtypen.

Angeblich dem Grunge verfallen, warten Elephant bei „Icebreaker“ mit mehr Instrumentarisierung auf, als viele Grungebands es jemals taten. Einzig und allein die Stimme des Frontmannes Simon Persson ähnelt Curt Cobain, aber dafür kann er ja auch nichts. Der Opener „Believe me“ und der darauffolgende Song „Closer“ zeugen schon von Besonderheit und überzeugen wiederum, dass die Gewinner im Kampf um Grunge-Originalität eindeutig Elephant sind.

So gut und einfallsreich die ersten Minuten des Longplayers auch verstreichen, zum Ende hin ist der Unterschied zwischen „Still Hold You In My Head“ und „Maybe We Should Live Together“ nicht eindeutig auszumachen. Oftmals ist die Ähnlichkeit zwischen den Songs genauso verblüffend wie die Eigentümlichkeit. Mit dem Akustiksong „Believe Me Outro“ versuchen Elephant aber nochmals gezielt mit der Spitzhacke ins Eis zu schlagen, als würden sie um jeden Punkt Einzigartigkeit kämpfen und doch nicht den Eindruck einer x-beliebigen schwedischen Band hinterlassen wollen.

Das Bemühen, „Icebreaker“ nicht nach aalglatten Tonstudioaufnahmen klingen zu lassen, ist unüberhörbar. Songs wie „Again You Lose“ oder „Talking“ wären absolut unauthentisch, wären sie nicht so kernig. Aber nicht allein Simons rauchige Stimme trägt dazu bei. Unwirsche (Bass-) Gitarren verschwören sich zusammen mit temperamentvollen Drums und leicht entrückten, dennoch melodieverliebten Kleininstrumenten zu wahrhaftigen Biestern. Ungezähmt, aber nicht herzlos, brechen sie zwar keine riesengroßen Eisbahnen, dennoch schaffen sie es, in 42 Minuten keine musikalisch bedingten Depressionen oder Ansätze davon beim Hörer hervorzurufen. Dazu steckt ein winzig kleiner Hauch zu viel Indie in ihnen. Vielleicht ist Grunge aber heute auch einfach Indierock.

Julia Fischer für Valve-Magazine.net

Bewertung: 3/5

Tracklist:

01) Believe Me
02) Closer
03) Everything Stops
04) Talking
05) Panic Syndrome
06) Again You Lose
07) It’s Nothing
08) This Long Road
09) The Freak
10) I Remember I Said
11) Still Hold You In My Head
12) Maybe We Should Live Together
13) Believe Me Outro

Highlights: Believe Me, Closer, Again You Lose
Lowlights: It’s Nothing, The Freak, Still Hold You In My Head

Web:

www.myspace.com/elephantsweden

tweets

  • "Daher muss allen, denen Wissenschaft wirklich am Herzen liegt, zugerufen werden: Zurück zur Philosophie!" 10 hours ago

 

Oktober 2009
M D M D F S S
« Sep    
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293031  

Flickr Photos

More Photos

Archive